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Über den Wolken

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Über den Wolken – respektvolle Rücksichtnahme statt grenzenloser Freiheit

Reinhard Mey hat den Begriff „grenzenlos“ sicher anders gemeint, als ihn so manche Flugreisende interpretieren. Denn gerade in der Enge einer Maschine ist es extrem wichtig, Rücksicht auf die Mitmenschen zu nehmen. Wie Streitigkeiten zwischen Fluggästen immer wieder beweisen, mangelt es offenbar oft an dieser Fähigkeit.Deshalb scheint es sinnvoll, an die Rücksichtnahme und Höflichkeit jeder einzelnen Person zu appellieren. Hier die zwölf wichtigsten Tipps, wie Sie sich und anderen einen Flug angenehm gestalten können.

1. Rücksichtnahme beginnt bereits vor der Fahrt zum Flugplatz, etwa bei der Entscheidung für die Reisekleidung. Längst nicht jeder Mensch empfindet zum Beispiel die Wahl von Tanktops und Badekleidung als angemessen. Spätestens am Trainingsanzug scheiden sich die Geister. Ebenso höflich ist es, sich über Gerüche aller Art Gedanken zu machen, die einem Menschen anhaften können.

2. Gelassenes und gegebenenfalls dem Aufruf seitens der Fluggesellschaft nach Sitzreihen entsprechendes Boarding sorgt für Entspannung. Ein freundlicher Gruß an die Crew beim Betreten des Flugzeugs zählt zu den Selbstverständlichkeiten. Reisende mit Rucksäcken zeigen sich einfühlsam, wenn sie diese vor dem Betreten des Flugzeugs abnehmen, da sie auf dem Rücken getragen sonst in der Enge eines Ganges anderen nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern sogar Schaden zufügen könnten.

3. Haben Sie Ihren Platz erreicht, sorgen Sie, bitte, dafür, dass Sie beim Verstauen Ihres Handgepäcks nicht unnötig lange den Gang versperren und damit die weiteren Zusteigenden blockieren. Vergewissern Sie sich auch, dass Taschen, Koffer und Jacken oder Mäntel von Mitreisenden in der oberen Ablage unversehrt und knitterfrei bleiben. Ein sperriger Koffer, der nach den Maximalmaßen einer Airline gerade noch so als Handgepäck eingestuft wurde, sollte aus Höflichkeitsgründen ausschließlich unter dem Sitz verstaut werden.

4. Ganz gleich, ob ein Flug 30 Minuten oder viele Stunden dauert: Ein freundlicher Gruß an die Nebensitzenden vor dem Platznehmen zeichnet den liebenswürdigen Fluggast aus. Ebenso, deren eventuelles Ruhebedürfnis zu respektieren, sie also weder mit unerwünschten Gesprächen zu belästigen noch ihnen störende Geräusche von technischen Geräten zuzumuten, zum Beispiel von zu laut eingestellten Kopfhörern.

5. Immer wieder gern diskutiert: Wem „gehört“ die Armlehne im Flugzeug? Praktisch ist es, sich an das ungeschriebene Gesetz zu erinnern, wie sich fremde Menschen in der Öffentlichkeit üblicher Weise gewisse Dinge teilen, nämlich „halbe-halbe“, und zwar in anderen Situationen „rechts-links“. Auf Armlehnen im Flugzeug ist das allerdings nicht einfach mit rechts und links als Hälften übertragbar. Diese Lehnen werden besser entweder „vorne-hinten“ geteilt oder es wird ein einvernehmliches Arrangement getroffen.

6. Sich auf dem Sitz so „schmal wie möglich“ zu machen, zählt zu den „Königsdisziplinen“ höflicher Fluggäste. Zugegeben: Beim Essen ist das eine wahre Kunst, die zu beherrschen jedoch sehr empfehlenswert ist. Hilfreich ist dafür die Erinnerung an die Methode, mit der ehemals „höheren Töchtern“ gute Tischsitten beigebracht wurde. Sie bekamen beim Essen Bücher unter die Arme geklemmt, die beim gesamten Speisen nicht herunterfallen durften. Allein die Vorstellung, beim Essen im Flugzeug rechts und links je ein Buch mit den Armen festzuhalten, reicht aus, eine Belästigung der nebenan Sitzenden zu vermeiden. Letzteres gelingt denjenigen, die während des Flugs gern Zeitung lesen, indem sie das „Zeitungs-Origami“ beherrschen: Einfach das große Blatt so oft falten, bis es auf „Sitzplatz-Breite“ geschrumpft ist.

7. Der häufigste und offensichtlich die Aggressionen am meisten fördernde Grund für die teilweise sogar handgreiflichen Auseinandersetzungen im Flugzeug ist das Zurückstellen der Rückenlehne. Um dies zu verringern, hilft es, die Position der Lehne rücksichtsvoll langsam zu verändern und soweit möglich, etwa auf Kurzstreckenflügen, auf die Ausschöpfung des kompletten zur Verfügung stehenden Neigungswinkels zu verzichten. Wer darüber hinaus eine freundliche Ankündigung des Vorhabens „nach hinten“ schicken möchte, begeht damit selbstverständlich keinen Fehler. Während der Mahlzeiten sind die Rückenlehnen prinzipiell hochzustellen. 

8. Wertschätzendes Verhalten zeigen Sie auch, wenn Sie bei jedem Kontakt mit der Lehne vor Ihnen Vorsicht walten lassen. Wenn Sie sich beim Aufstehen daran hochziehen, ist das besonders unangenehm für die Person auf dem Sitz vor Ihnen. Ebenfalls sehr störend für diese kann das schwungvolle Einklappen des Tischchens sein. Selbst ein integrierter Bildschirm sollte, falls berührungsgesteuert, nicht heftig bearbeitet, sondern sanft dirigiert werden. 

9. Zur Rücksichtnahme auf die „Nebenmenschen“ – so der Ausdruck Adolf Freiherrn Knigges für Mitmenschen – zählt auch, sich weder öfter als nötig noch im ungünstigsten Moment, etwa, wenn gerade das Essen serviert wurde, an anderen vorbei zu quetschen. Sicher: Gerade bei Langstreckenflügen ist es unerlässlich, irgendwann aufzustehen und die Beine zu vertreten oder die Toilette aufzusuchen. Doch außer in Notfällen wird ein zuvorkommender Fluggast das sowohl zeitlich gut und für andere wenig störend planen als auch die „Zauberwörter“ bitte und danke beim Weggehen und Wiederkommen verwenden. Und selbst bei kurzen Flügen zeugt es von Aufmerksamkeit für die Mitreisenden, wenn Sie sich vor dem Hinsetzten überlegen, ob Sie noch etwas aus dem Gepäckfach brauchen, sofern Sie keinen Gangplatz haben. 

10. So groß die Erleichterung für so manchen Fluggast auch sein mag, wenn die Maschine nach der Landung zum Stillstand gekommen ist und die Anschnallzeichen erlöschen: Es bringt außer einer Belästigung der Mitreisenden gar nichts, nun das „große Drängeln“ anzufangen. Alle, die Gepäck aufgegeben haben, treffen sich sowieso wartend am entsprechenden Laufband wieder. Und selbst diejenigen, die lediglich mit Handgepäck unterwegs sind, werden durch ein nach vorne Stürmen den Vorgang des Öffnens der Flugzeugtür nicht beschleunigen können. Somit ist hier die Höflichkeits-Devise: Ruhig und gelassen auf das Aussteigen warten und darauf achten, keine Müllhalde am Platz zu hinterlassen. Ein Abschiedsgruß sowohl an die Nebensitzenden als auch an die Crew sollte selbstverständlich sein. In letzterem Fall verbunden mit einem Dank, der im Flugzeug als so etwas wie „Ersatz für Trinkgeld“ gilt, das dort unüblich ist – bei manchen Fluggesellschaften wird der Crew sogar verboten, es anzunehmen. 

11. Genau genommen gibt es keinerlei Grund, nach der Landung eines Flugzeugs zu klatschen. Diejenigen, für die es gedacht ist, hören es im Cockpit sowieso nicht. Hingegen fühlen sich so manche Mitreisende davon genervt. Deshalb ist es sinnvoll, auch in einem Ferienflieger genauso wie bei einem Linienflug darauf zu verzichten. Da es für manche allerdings vielleicht ein Ausdruck von Erleichterung und Dankbarkeit ist, sicher wieder auf dem Boden gelandet zu sein, empfiehlt sich für alle, die diesem Ritual nichts Positives abgewinnen können, Folgendes: Bringen Sie einfach den anderen gegenüber genügend Toleranz auf. Das wird Ihnen vermutlich leichtfallen, wenn Sie sich bewusst machen: Das Klatschen ist keineswegs als Störung für die anderen Fluggäste gedacht, sondern nur gut gemeint.    

12. Dass auch am Gepäckband Rücksichtnahme auf Mitwartende angezeigt ist, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, so selbstverständlich erscheint es. Wie hinderlich es für die Entgegennahme von Gepäck ist, wenn sich alle dicht vordem Band drängeln, wissen nicht nur Vielfliegende. Selbst wenn entsprechende Markierungen fehlen, ist das Einhalten eines Abstands von etwa einem Meter empfehlenswert. Andere nicht durch zu schwungvolles oder unachtsames Herunterholen eines Gepäckstückes zu belästigen oder sie gar damit zu verletzen, sollte stets beachtet werden. Wer über ausreichende Körperkräfte verfügt, kann mit Hilfsbereitschaft Freude bereiten, indem einer offensichtlich schwächeren Person zum Beispiel ihr Koffer vom Band gehoben wird.  
 

Alle Jahre wieder ist das ein Thema und dieses ist so bedeutend im Umgang mit Menschen, dass sich hier der Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI), als das älteste in Deutschland tätige Sachverständigen-Gremium zu den Themen Verhalten, Kommunikation, moderne Umgangsformen, im allgemeinen Sprachgebrauch gern als „Knigge“-Gremium bezeichnet, mit auseinandersetzte.

Der AUI möchte dazu beitragen, das menschliche Zusammenleben angenehm und reibungslos zu gestalten sowie Unsicherheiten im Umgang miteinander zu beseitigen. Er will elementare Werte zusammen mit gewachsenem Kulturgut erhalten und dabei dem Zeitgeist entsprechen.