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Die "Kronenstory"

  • Business Knigge

Erinnern wir uns kurz…

Das Frauenwahlrecht ist mal gerade erst vor 100 Jahren Realität geworden, nämlich am 19. Januar 1919.

Am 3. Mai 1957 wurde das Gleichberechtigungsgesetz verabschiedet, welches am 17. Juli 1957 verkündet und am 1. Juli 1958 in Kraft gesetzt wurde.

Doch: Erst 1977 wurde auch das Eherecht geändert. Bedeutet: Die Frau war mit der Eheschließung gesetzlich »Zur Führung des Haushalts verpflichtet«. Um eine Stelle anzutreten brauchte sie zwar weder Unterschrift noch Erlaubnis ihres Mannes, doch berufstätig durfte die Frau nur dann sein, wenn sie »ihre familiären Verpflichtungen nicht vernachlässigt«. Und sollte der Ehemann der Meinung gewesen sein, dass das der Fall ist, so konnte er die Anstellung seiner Frau kündigen, ohne sie auch nur zu fragen. 1977 wurde mit der Reform des Ehe- und Familienrechts diese gesetzlich verordnete Hausfrauenehe abgeschafft und die Aufteilung ist ab dem Tag »den Eheleuten überlassen«. Das hiervon bis heute noch Spuren in unserer Gesellschaft zu finden sind, ist leider zweifelsfrei der Fall.


Zugegeben: Für mich hatte das in diesen Themen weniger mit Bevorzugung der Frau, als mit Unterdrückung dieser zu tun. Und das geht bis dahin, dass die Frau, wenn sie denn als »gut erzogen« gelten wollte, früher am Tisch sitzen zu bleiben hatte, wenn ein Herr zur Begrüßung an den Tisch trat. Sie also brav unten, er machtvoll von oben herab. So freue ich mich heute aufstehen zu dürfen, um mit den Personen, mit denen ich die Begrüßung feiere auf Augenhöhe zu sein. Gleich welchen Genders.


Dennoch: Die Gleichberechtigung aller Gender im Berufsalltag ist hoffentlich überall angekommen! Hier entscheidet rein die Hierarchie. Der Dame die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen, den Vortritt geben, an der gefährlichen Seite laufen oder auch mal den Schirm halten, sind Kavaliersgesten, die ich als Frau großartig finde und allen Damen empfehle, »die Zicke im Stall zu lassen«, wenn Sie mal auf einen solchen Gentleman treffen! Denn ansonsten haben wir es bald geschafft, dass wir die Herren-/Männerwelt vollständig von diesen meist zuvorkommend gemeinten Gesten entwöhnt haben. Das wäre doch schade, oder? Denn auch mir ist es doch eine Freude, mal jemanden die Tür aufzuhalten und dafür ein Lächeln und ein DANKE zu hören oder jemanden in den Mantel zu helfen, wenn ich sehe, dass die Kleidung so „kompliziert“ ist, dass ein selbst anziehen einfach nur umständlich ist. Wieso sollte es »Mann« damit anders gehen und das zickige »Das kann ich selbst« ist hier echt fehl am Platz, doch leider immer wieder zu hören.


Ja, und nun zieht dies auch in das Privatleben ein. Bedeutet: Alle Menschen sind gleich und damit darf auch im Rahmen der Begrüßung beispielsweise eines Paares, dem Herrn zuerst die Hand gereicht werden.

Ein »Krönchen« gibt es noch: Das »Alterskrönchen«, was bedeutet, dass bei einer Begrüßung beispielsweise die Person zuerst begrüßt wird, die eine Generation älter ist, also in etwa 30 Jahre.

 

Und wie ist das bei der Bekanntmachung und der Vorstellung?

Der Dame ist zuerst der Name des Herrn zu nennen und auch dem Herrn ist zuerst der Name der Dame zu nennen. Alles ist möglich heute, denn die Reihenfolge ist unerheblich. Wie gesagt: für den privaten Kontext und dann, wenn die Menschen keinen gravierenden Altersunterschied haben. Sollte dieser vorherrschen, so erfährt die ältere Person zuerst die Kunde, bedeutet: der älteren Person wird die jüngere Person vorgestellt.

 

Übrigens: »Sonderkronen« bleiben von der Nennung unberührt!

Eine »Sonderkrone« hebt sowohl hierarchische Unterschiede sowie (Geschlechter- und) Alterskronen auf.

Die »Sonderkrone« beim Grüßen hat eine Gruppe, wenn eine Person dazukommt und ebenso die Menschen in kleinen Räumen (beispielsweise dem Fahrstuhl oder auch dem Wartezimmer beim Arzt), wenn eine Person eintritt.

Die »Sonderkrone« beim Begrüßen haben Gastgebende.

Und die »Sonderkronen« beim Bekanntmachen oder Vorstellen haben eine Gruppe sowie Gastgebende.

 

Wer aus alter Tradition und Gewohnheit im privaten Kontext bei der Begrüßung eines zweigeschlechtlichen Paares die Dame bevorzugen möchte, begeht ebenso wenig einen Fauxpas, wie diejenigen, die sich ausschließlich am Alter orientieren. Und genauso bleibt es jedem Mann unbenommen, auch weiterhin einer Frau gegenüber als Gentleman aufzutreten und ihr Kavaliersgesten anzubieten.

 

Klingt kompliziert?

Ist es nicht - es wird im Grunde immer einfacher, denn alle Menschen sind als Mensch gleich und nach dem bis heute anerkannten dritten Geschlecht kommt diese Empfehlung des Arbeitskreis Umgangsformen International dem sehr entgegen.

Und wer weiß, wie viele Geschlechter wir alsbald haben…